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Verfasser Titel Jahr
zeige Details Stehr, M.. Die Zirkumzision - Kritik an der Routine
In: Klinische Pädiatrie. - Stuttgart : Thieme Vol. 213, No. 02 (3. 2001), p. 50-55
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2001
Die Zirkumzision ist einer der am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffe beim männlichen Geschlecht. Alle 5 Minuten werden etwa 120 Buben und Männer weltweit zirkumzidiert . Die Zirkumzision wird im Wesentlichen aus drei verschiedenen Indikationen durchgeführt: 1) Aus medizinischer Indikation bei Vorliegen einer patholo-gisch erworbenen Phimose. 2) Aus religiösen oder sozio-kulturellen Gründen. 3) Schließlich wird in vielen Ländern die Zirkumzision im Neugeborenenalter als sog. Routinezirkumzision durchgeführt. Während in den USA die Rate der Routine-Zirkumzisionen stetig abnimmt (derzeit werden etwa noch 60 % aller männlichen Neugeborenen routinemäßig zirkumzidiert), liegt die Rate in Südkorea noch bei annähernd 100 %. Auch in Deutschland wird die Zirkumzision häufig auch ohne religiösen oder sozio-kulturellen Hintergrund ohne strenge Indikationsprüfung durchgeführt. Dies liegt zum einen daran, dass es sich um einen kleinen chirurgischen Eingriff handele, der nach häufig anzutreffender Meinung keine (insbesondere negativen) Folgen für den Patienten mit sich bringe. Zum anderen wird eine großzügige Indikationsstellung durch angebliche medizinische Vorteile auch der Neugeborenenzirkumzision im Sinne einer Prophylaxe begünstigt. Nach kritischer Betrachtung muss man heute zu dem Schluss gelangen, dass der Zirkumzision kein medizinischer Nutzen zugesprochen werden kann bei der Verringerung der Inzidenz von Harnwegsinfekten, sexuell übertragbaren Krankheiten oder der Malignomentwicklung. Nur bei der pathologisch erworbenen Phimose ist die Zirkumzision medizinisch indiziert und dies trifft bei etwa 4 % aller männlichen Individuen zu. Dagegen steht eine nicht zu vernachlässigende postoperative Komplikationsrate von bis zu 2 %. Von besonderem Interesse sind die Langzeitfolgen einer Zirkumzision in anatomischer, funktionell-sexueller und psychischer Hinsicht. Auch wenn letztere Punkte schwer zu evaluieren sind, kann die Zirkumzision sicher nicht diesbezüglich als harmloser und folgenloser Eingriff angesehen werden. Es gibt viele Berichte über die negativen Folgen der Zirkumzision sowohl für den Patienten selbst als auch für dessen Sexualpartner. Insbesondere bei der nicht religiös oder sozio-kulturell motivierten Neugeborenenzirkumzision wird die Frage nach der Rechtmäßigkeit offensichtlich: Das elterliche Sorgerecht beinhaltet die Einwilligung in einen ärztlichen Eingriff am Kind zur Wahrung dessen Interessen. Dient die Einwilligung in diesen ärztlichen Eingriff nach fachlichem Abwägen des Nutzens gegen mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen der Wahrung kindlicher Interessen?.
1. Verfasser: Stehr, M..
beteiligte Personen: Dietz, H.-G., , Joppich, I.. , Schuster, T.,
Format: Elektronisch
Sprache: German
Erschienen: Stuttgart ; New York : Georg Thieme Verlag, 2001.
Schlagwörter:
URL: http://dx.doi.org/10.1055/s-2001-12876

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